Warum?

12.03.2020 |

Die gute Seite der Corona-Entwicklung: Auf einmal haben viele von uns mehr Zeit. Zeit, die wir auch für unsere persönliche Entwicklung nutzen können. Zum Beispiel für  das Nachdenken darüber, ob ich das Leben so lebe, dass ich mein volles Potential entfalte, meine Talente zum Tragen kommen und das, wofür ich 'gemeint' bin. Dafür braucht es Muße, und die könnte - durch den derzeitigen Mangel an Ablenkung - jetzt entstehen.

In Workshops und Coachings habe ich immer wieder mal Menschen erlebt, die in unseren Reflexionen überrascht feststellen, dass sie es nicht mehr gewagt haben zu hinterfragen, ob die berufliche Aufgabe, die sie sich gesucht haben, wirklich die richtige für sie ist. Und jede(r) von uns kennt sicher Menschen (so was trifft natürlich nur auf die anderen zu ;-) ), die in ihrer Ehe oder Partnerschaft lieber nicht mehr prüfen: 'passt das noch' – oft aus Angst, dann eine Entscheidung treffen zu müssen.

Am Leben vorbei?

Natürlich ist das schade für die Unternehmen, in denen diese Menschen arbeiten, denn kreative Spitzenleistungen kommen eher von denen, die sich mit einer Aufgabe voll identifizieren können. Aber schade ist es vor allem auch für die einzelne Persönlichkeit. Es besteht doch die Gefahr, dass dieser Menschen an seinem Leben vorbei lebt. Und dafür ist unsere Lebenszeit zu wertvoll. 

Eine mögliche Ursache kann der Mangel an Selbstwert sein, oder in meinen Worten: der Mangel an Selbstliebe (Ihr wisst schon: Ich habe doch da eine Initiative für mehr Selbstliebe ins Leben gerufen) Dann habe ich kein Vertrauen darin, dass etwas Großes, Einzigartiges auch in mir steckt. Sehr gerne unterstütze ich Sie dabei, diese Vertrauen zu stärken. Ganz besonders berührt hat es mich zu lesen, dass auch jemand, der das KZ überlebt hat, dieses Vertrauen spüren kann. Der Wiener Psychiater Viktor E. Frankl war überzeugt: Everyone has his own specific vocation or mission in life…. (das ganze Zitat) 

Find your why!

Es könnte aber auch sein, dass Sie ahnen, dass noch mehr in Ihnen steckt, aber Sie haben diesen Schatz noch nicht geborgen. Dann können Sie der Aufforderung von Simon Sinek folgen: Find your why. Der US-Psychologe geht davon aus, dass Erfolg darauf gründet, dass wir wissen, warum wir etwas tun möchten und welchen Beitrag zum Wohl aller wir damit leisten möchten. Könnte diese durch Corona bestimmte Situation, in der wir mehr Zeit auf uns selbst zurückgeworfen verbringen müssen, aber auch können, nicht genau die richtige sein, um Ihr persönliches 'Why' zu ergründen? Und wenn Sie das nicht alleine tun wollen, dann melden Sie sich bei mir. Ich biete auf Anfrage sobald es wieder möglich ist Workshops dazu an, aber auch Einzelcoachings, letztere derzeit auch online. mehr

Mein Why habe ich übrigens mit dem Thema Selbstliebe gefunden: Ich möchte Menschen unterstützen, in gesunder Selbstliebe zu leben, sodass sie persönlich erfüllt ihren vollen Beitrag zu einer guten Entwicklung der Welt leisten können.

Die guten Gründe der anderen

05.06.2019 |

Wenn es in Teams oder unter Kolleg*innen mal schwierig ist, meinen manchmal beide Seiten, dass sie die bessere Lösung haben und finden so nur schwer zueinander. Ein Weg aus dieser Sackgasse fängt oft mit dem Interesse an den ‚guten Gründen‘ des anderen an.
Die innere Haltung, die hinter diesem Interesse stehen könnte, ist, dass jeder Mensch gute Gründe für sein Verhalten und seine Überzeugungen hat. Meist liegen diese in den Erfahrungen, die wir gemacht haben und die uns zu der Überzeugung gebracht haben, dass der Erfolg auf eine bestimmte Weise zu erreichen ist und auf eine andere eben nicht.

Grundlage der Uneinigkeit ist, dass jeder von uns auf andere Erfahrungen zurückgreift. Grundlage für die gemeinsame Lösung könnte sein, dass ich mehr über diese Erfahrungen des anderen wissen möchte. Wenn es gelingt eine offene Frage zu diesen guten Gründen zu stellen, die beim anderen auch wirklich offen ankommt, kann dies der Beginn eines echten Dialogs sein. Einziges No-Go: Die Frage warum. Warum führt oft dazu, dass der andere das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen.

Ein Beispiel: Sie haben die Leitung für ein Team von fünf Menschen übernommen. Eine davon hat in jedem Team-Meeting den höchsten Wortanteil, die anderen halten sich stark zurück. Sie möchten, dass alle sich beteiligen, denn Ihre Überzeugung ist es, dass der Austausch zwischen den verschiedenen ‚Stimmen‘ im Team zu besseren Lösungen führen wird, als die Erfahrung einer Einzelperson. Eine offene Frage könnte in dieser Situation sein: Wie nehmen Sie die Situation in den Team-Meetings wahr? Wie geht es Ihnen damit? Toll wäre es, wenn Sie sich von der Antwort überraschen lassen können und vielleicht auch noch weitere Nachfragen stellen. Eine Lösungs-Idee müssten Sie vorher nicht haben. Stattdessen das Vertrauen, dass Sie die Lösung im Miteinander finden werden.  

Menschen, die sich selbst in einem gesunden Maße lieben, fällt die Grundannahme, dass jeder Mensch gute Gründe für sein Handeln hat, übrigens leichter. Mich selbst lieben, heißt auch meine kleinen Macken annehmen. Wenn das schwer für mich ist, ist die Gefahr groß, dass ich auch Teile des anderen ablehnen ‚muss‘. Lust auf mehr? Im Dezember ist der nächste Termin für mein Seminar: Mit Empathie in Führung.

Agile Führung braucht Vertrauen

16.04.2019 |

So wie Vertrauen eine Öffnung bewirken kann, kann Misstrauen eine selbsterfüllende Prophezeiung sein. Die Buddhisten gehen davon aus, dass die Welt voll liebender Güte ist. Auch wenn man nicht so weit gehen möchte: Jeder Mensch hat ein Bedürfnis etwas Sinnvolles zu tun, dafür anerkannt zu werden und in einem guten Kontakt mit anderen zu sein. Wenn unser Dialog von diesem Menschenbild geprägt ist, geschieht eine Öffnung, die zu neuen Lösungen im Miteinander führen kann.
Agile Führung, Führung in der digitalen Arbeitswelt, braucht Vertrauen. Um die gewünschte Beweglichkeit in diesen Zeiten zu erreichen, werden viele Hierarchien durch Projektarbeit ersetzt und eigenverantwortliches Handeln der MitarbeiterInnen großgeschrieben. Partizipation und Kooperation stehen im Mittelpunkt. Dafür brauchen wir vor allem gute und tragfähige Beziehungen zueinander. Beziehungen,  die von Vertrauen geprägt sind. Das Vertrauen der Führungskraft/des Projektleiters in sein/ihr Team, sowie das Vertrauen der Team-Mitglieder darin, dass Fehler als notwendiger Teil des Arbeitens und der Weiterentwicklung betrachtet werden.
Für diese Art des Miteinander-Umgehens ist Selbstliebe ist eine Grundvoraussetzung. Die Menschen auf beiden Seiten – Team und Lead - haben es leichter, dieses Vertrauen zu spüren, wenn sie sich selbst in einem gesunden Maße lieben. Wer sich selbst liebt, kann sowohl mit den eigenen Fehlern, als auch mit denen der anderen gelassener umgehen. Und wer diese Gelassenheit spürt, ist freier und damit eher in der Lage, innovativ, proaktiv und eigenverantwortlich zu handeln.
Der Psychologe Jonathon Brown von der University of Washington fand heraus: Die meisten Menschen glauben, dass sie persönlich mehr bewundernswerte und weniger abstoßende Eigenschaften besitzen als 80 Prozent der Menschen in ihrem Umfeld. Diese Überlegenheits-Illusion wird in der Sozialpsychologie als „Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt“ bezeichnet. Eine solche Glorifizierung des eigenen Selbst ist eben keine echte Selbstliebe. Sie ist vielmehr der Versuch, ein mühsam aufrechterhaltenes – da auf Erfolge und Anerkennung durch andere fußendes – Selbstwertgefühl zu schützen. Nur wer über ausreichend – echte – Selbstliebe verfügt, kann auch mit seinen Mitarbeitern, Kollegen und Kunden ehrlich wertschätzend umgehen. Selbstliebe ist insofern auch Menschenliebe. Denn erst sie sorgt dafür, dass Menschen einander auf Augenhöhe begegnen können. Wer sich selbst genug liebt, kann anderen dieselbe Größe zugestehen wie sich selbst – eben, weil sich sein Selbstwertgefühl nicht daraus speist, klüger, besser und erfolgreicher zu sein.
Wenn Sie sich also fit machen möchten für die agile Führung – dann könnten Sie das in meinem Workshop „Mit Empathie in Führung“ tun. 

Kollaborationskompetenz Selbstliebe

15.05.2018 |

Menschen, die sich selbst mögen, können besser mit anderen zusammenarbeiten. Gute Kooperation und Kollaboration, also die Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Ziel, setzt vor allem gute tragfähige Beziehungen voraus. Sich selbst annehmen zu können und auch zu der eigenen Unperfektion stehen zu können, ist der Schmierstoff dafür. Ein Mangel an gesunder Selbstliebe macht es uns schwer, solche Beziehungen einzugehen. Insofern ist Selbstliebe nicht zuletzt auch das: eine Kollaborationskompetenz. Diese Kompetenz ist in der modernen Arbeitswelt, die – anders als die alte – stark auf Partizipation und Kooperation setzt, nicht nur nice to have, sondern die Basis für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Hab Dich lieb! Kollaborationskompetenz Selbstliebe lautet der Titel meines Artikels für die Juni-Ausgabe von Manager Seminare. Dort können Sie mehr dazu lesen, wie wenig Selbstliebe zum Stolperstein in der Zusammenarbeit werden kann und mit welchen Fragen an sich selbst Sie herausfinden können, ob Sie über ein gesundes Maß an Selbstliebe verfügen. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen die Kollaborationskompetenz stärken möchten, finden Sie hier Anregungen dazu. Oder Sie wenden sich direkt an mich: Beratung@susannepetz.de. Ich laden Sie gerne zu einem Gespräch an den Starnberger See ein oder besuche Sie in Ihrem Unternehmen.  

Ein Bild wirkt mehr als tausend Worte

05.01.2018 |

Sich zu Jahresbeginn mit den persönlichen Zielen zu beschäftigen, ist nicht zuletzt eine Frage der Selbstliebe. Wenn ich mich selbst in einem gesunden Maße liebe, ist mir meine Lebenszeit zu schade, um nach den Vorgaben anderer zu funktionieren.

Wenn Sie Bilder davon entwickeln, wie Sie optimalerweise leben möchten, ist ihr Unbewusstes fast immun gegen Beeinflussungen, die Sie vom eigenen Weg abbringen könnten. (zuerst fällt mir persönlich da die Schokolade ein, die mich davon abhält, mich noch etwas leichter zu fühlen...) Das heißt nicht, sich von der Welt abzuschoten, sondern der Welt mit einem eigenen Bild von meiner Zukunft zu begegnen und dann achtsam wahrzunehmen, welche Ereignisse dieses unterstützen und welche nicht.

Die Einladung ein Bild zu entwickeln, meine ich durchaus wörtlich. Wenn Sie Ihre Zukunftsvision nicht nur in Worten, To-Do-Listen und Zeitplänen aufschreiben, sondern sich auch in Bildern vorstellen, aktivieren Sie Ihre rechte Gehirnhälfte und Ihr Unterbewusstsein, diesem Ziel zuzuarbeiten. Am besten: Stellen Sie sich bildlich vor, Sie hätten Ihr Ziel schon erreicht. Wie werden Sie sich fühlen, wo werden Sie das erleben, welche Menschen werden Sie umgeben...? Gut ist es, wenn Sie die Bilder im Geiste visualisieren. Noch besser wäre es, wenn sie ganz einfache Zeichnungen dazu machen (schon Symbole reichen, aber bunt sollte es sein!). Wenn es Ihnen leichter fällt, können Sie auch eine Collage mit ausgeschnittenen Bildern aus Zeitschriften erstellen oder Fotos machen, die Sie zu einer Collage zusammenstellen. Eine tolle Methode, so zu arbeiten hat Brain Mayne entwickelt: Goal Mapping.

Wenn Sie diesem Bild einen Ehrenplatz auf Ihrem Schreibtisch einräumen, verlieren Sie es auch im Laufe des Jahres nicht aus den Augen. Dass Sie mit Bildern im Storytelling andere am besten überzeugen können, habe ich ja schon öfter beschrieben. Aber Sie werden auch für sich selbst feststellen: Ein Bild wirkt mehr als tausend Worte.

Wie viel Liebe darf es sein?

16.10.2017 |

Früher habe ich immer gedacht, ich bin die einzige, der es so geht und alle anderen sind - ‚normal’. Also: Ich bin die einzige, die sich schlecht fühlt, weil sie zu viel gegessen hat, obwohl ein paar Kilo weniger doch schön wären. Die einzige, die mit sich selbst hadert, weil sie es heute wieder nicht geschafft hat, das Unternehmen X zu kontaktieren. Die einzige, die manchmal denkt, ich muss mich mehr anstrengen, damit ich mein ziemlich gutes Leben auch wirklich verdient habe.

Heute weiß ich: So geht nicht nur mir. Das weiß ich von guten Freunden, die es mir manchmal erzählen, aber vor allem auch von Coaching-Klienten, die mir so viel Vertrauen schenken. Alles Menschen mit einer tollen Aufgabe, die im Leben etwas erreicht haben, worauf sie stolz sein können. Und doch gibt’s immer wieder diese Tage oder diese Herausforderungen, bei denen die Selbstliebe einfach nicht ausreicht. 

Leider bleibt das auch dann so, wenn man schon weiß, dass man nicht alleine ist mit diesen blöden Gedanken und Gefühlen. Für das Zusammenarbeiten hat das Konsequenzen. So, wie wir uns selbst in solchen Stimmungen überfordern, überfordern wir auch Kollegen oder Mitarbeiter. So wie wir uns selbst dann schlecht machen, machen wir auch andere runter. So hart wie wir uns selbst manchmal beurteilen, als jemanden, der es nicht wert ist, beurteilen wir auch andere. 

Was hilft? Z.B. jeden Abend vorm Schlafen gehen aufschreiben, was heute alles gut gelaufen ist. Und/oder morgens in der Meditation verinnerlichen, was die wirklich wichtigen Dinge sind, deren Gelingen mich am Abend zufrieden auf den Tag blicken lassen werden. Und neuerdings entdecke ich das Klopfen für mich (Michael Bohne: Bitte klopfen! Anleitung zur emotionalen Selbsthilfe). Bohne beschreibt einen Selbstakzeptanz-Punkt zwischen Herz und Schlüsselbein, den man – im Unterschied zu den anderen Punkten – nicht klopft, sondern leicht im Uhrzeigersinn reibt. Dabei spricht man laut einen Satz zur Selbstakzeptanz aus, wie z.B. ‚Auch wenn ich heute nicht alles geschafft habe, liebe ich mich so, wie ich bin.’  

Vielleicht hilft es (mir und - nach Fertigstellung - vielleicht Ihnen?) auch, dass ich zum Thema Selbstliebe derzeit einen Dokumentarfilm (www.wie-dich-selbst.de) entwickle. Es ist berührend und befreiend mit unterschiedlichsten Menschen über dieses Thema zu reden. Zu erfahren, wie wesentliche Erfahrungen unsere Fähigkeit zur Selbstliebe beeinflussen, welchen Anteil daran auch ein verstärktes Bewusstsein haben kann. Dieses Wissen fließt natürlich auch in meine Coachings mit ein – mit denen ich Ihnen, wenn Sie mögen, jederzeit unterstützend zur Seite stehe.

Der Mensch und sein Glaube an die Ratio

03.08.2017 |

Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, dass Computer-Systeme in der Interaktion mit Menschen auch die Gefühle ihres Gegenübers lesen können. Werden sie uns da eines Tages vielleicht sogar einen Schritt voraus sein?

Schließlich können wir Menschen nur sehr schwer von dem ‚Aber’glauben lassen, dass die Ratio unser Handeln bestimmt, dass es allein auf den Inhalt unserer Worte ankommt, wenn wir uns verständlich machen möchten. Für die Forscher, die sich mit der Künstlichen Intelligenz beschäftigen, ist ganz klar, in welch hohem Ausmaß unsere Gefühle unser Handeln steuern. Schließlich geht der letzte Impuls für eine neue Handlung immer vom emotionalen Erfahrungsgedächtnis aus.

Es gibt schon computerbasierte Systeme, die erkennen können, was der Nutzer fühlt. Das funktioniert beispielsweise mit in Sitzmöbeln integrierten Druck-Sensoren, die Rückschlüsse darüber erlauben, ob eine Person eher entspannt oder gestresst am Schreibtisch sitzt. Die Fähigkeit der Computer, für einzelne, definierte Emotionen die geschauspielerten Gefühle von den echten zu unterscheiden, soll mittlerweile schon der Fähigkeit eines Menschen entsprechen.

Und wir? Nehmen wir unsere Gefühle und die unserer Gesprächspartner auch so ernst, wie die Industrie, die uns etwas verkaufen möchte? Meine Wahrnehmung ist: Wir versuchen so perfekt und zeit-effizient zu funktionieren, dass wir manchmal nicht mal selbst wahrnehmen, wie es in unserem Inneren aussieht - geschweige denn in dem des anderen, unseres Gegenübers.

Inwiefern machen Sie zum Beispiel Ihre Gefühle und die Ihres Gegenübers zum Gegenstand Ihrer Vorbereitung auf ein Gespräch? Sie könnten sich vor jedem wichtigen Gespräch vornehmen, Ihre eigene innere Haltung dazu zu ergründen. Vielleicht denken Sie jetzt: Dafür habe ich nun wirklich keine Zeit! Doch Ihre Gefühle teilen Sie Ihrem Gesprächspartner, der/die viel mehr von Ihnen wahrnimmt als Ihre Worte, ohnehin mit. Aber wenn Sie sich Ihre Haltung nicht bewusst machen, riskieren Sie, dass Ihre unbewussten Botschaften Ihre bewusst gewählten Worte untergraben.

Auch könnten Sie versuchen, die vermutliche Haltung Ihres Gesprächspartners zu Ihnen und Ihrem Anliegen zu erfassen. Mit einer solchen Vorbereitung fällt dann schnell auf, ob es überhaupt Sinn macht – ganz Ratio – direkt auf das sachliche Ziel zuzusteuern, oder ob es zielführender sein könnte, zuerst auf der Beziehungs-Ebene noch offene Fragen zu klären. Nicht selten ist dies der leichtere und effizientere Weg zu Lösungen, die alle Beteiligten zufrieden stimmen.

Die Welt verändern

17.01.2017 | Lebensthema  

Wie würde sich die Welt verändern, wenn wir uns selbst mehr lieben könnten?

Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, forscht zum Thema Empathie in der Wirtschaft. Was wir schon lange wissen, ist: Unter Stress werden selten gute Entscheidungen getroffen. Denn unter Stress kümmern wir uns vor allem um uns selbst, darum, dass es uns wieder besser geht. Die neue Erkenntnis der Psychologin: Würde man Führungskräften ein Umfeld bieten, in dem Motive wie Fürsorge und ein Miteinander aktiviert werden, fällen sie sehr viel bessere, nachhaltigere Entscheidungen.

Um die Fähigkeit mitfühlend zu handeln zu fördern, hat Singer ein mentales Training, das ReSource Projekt, entwickelt.

Mein persönlicher Beitrag zu mehr Miteinander ist das Projekt "... wie Dich selbst". Ich gehe davon aus, dass, wer sich selbst mehr lieben kann, auch anderen einfühlsamer begegnen wird. Frei nach dem Bibel-Zitat: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.

Für einen Dokumentarfilm spreche ich dazu mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Als Prinzip der Gespräche gilt: Jeder und jede antwortet rein persönlich, niemand professionell oder politisch. Drei Gespräche habe ich schon geführt - mit vielen Aha-Erlebnissen auf beiden Seiten. Daraus ist ein Film-Trailer entstanden, den Sie auf meiner Film-Website anschauen können: www.die-freibeuterin.de Meine These: Es wird ein sehr persönliches und politisches Dokument über den Zustand unserer Gesellschaft entstehen, über das große Ganze, in dem alles zusammen- und voneinander abhängt und in dem spürbar wird, dass jeder von uns etwas tun kann - ... wie Dich selbst.

Sie können mimachen! Nur für sich selbst, indem Sie unsere Anleitung zur Selbsterkundung von der Website herunterladen und sich mit den Fragen beschäftigen, die wir entwickelt haben. Sie können die Fragen schriftlich beantworten und uns für das begleitende Buchprojekt zusenden. Oder Sie können sich dabei filmen und uns das Video zur Veröffentlichung über Wetransfer senden an S.petz@die-freibeuterin.de.

... wie Dich selbst?

13.09.2016 |

Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst, heißt es in der Bibel. Im Zeitalter von Selbstfindung und Individualisierung könnte man ja annehmen, die Welt ist voller Menschen, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Doch wenn ich genauer hinsehe – zum Beispiel in meinen Coachings - , dann wünsche ich meinen Klienten, dass sie eher etwas mehr als weniger Selbstliebe leben können.

Ein guter Mensch stellt seine eigenen Bedürfnisse hinten an, ist die Überzeugung, mit der die meisten von uns aufgewachsen sind. Jeder Mensch braucht Anerkennung – nicht nur für seine Leistungen, sondern einfach für sich -, Geborgenheit, echten Kontakt und Nähe, Schutz und persönliche Sicherheit. Doch die eigenen Grundbedürfnisse tatsächlich in den Mittelpunkt zu stellen, empfinden wir in unserem tiefsten Inneren nicht selten als egoistisch.

Wie kann ich meine Mitarbeiter, meine Kunden, meine Kollegen, meine Familie und meine Freunde achtsam behandeln, wenn ich mir selbst gegenüber keine Liebe walten lasse? Und ist es nicht so, dass unterdrückte Bedürfnisse sich anderer Stelle umso machtvoller, zuweilen auch maßloser, an die Oberfläche drängen? Meine These ist: Viele Dinge, mit denen wir uns selbst wichtig nehmen, sind eher Ersatz-Handlungen. Ersatzhandlungen dafür, dass wir unsere Grundbedürfnisse eben doch nicht leben.

...wie Dich selbst lautet der Arbeitstitel von Buch und Film, die ich in den nächsten Monaten neben meiner Coaching-Tätigkeit realisieren werde – mit Menschen wie Du und ich, die bereit sind, ein sehr persönliches Gespräch mit mir zu führen. Für mich ist das nicht ungewöhnlich, denn ich komme aus dem Journalismus und der Filmproduktion. Die Freibeuterin ist mein Film-Label. Auf die Website werde ich im Oktober auch einen Trailer zum Film stellen. Wenn Sie als Interview-Partner/Partnerin dabei sein möchten, schicken Sie mir einfach eine Mail: mail@das-wesentliche.info

Wenn Frauen Männer überholen

28.05.2016 | Feedback  

Seit ungefähr 20 Jahren jogge ich regelmäßig. Mittlerweile auf dem Land, dennoch treffe ich auf meinen Pfaden immer so zwei bis drei Spaziergänger. Egal, ob ich sie überhole oder ihnen entgegen komme, ich grüße immer freundlich. Heute lief ich einen kleinen Hügel hoch und mir kam ein Paar entgegen, wahrscheinlich so um die 70 Jahre alt. Nach meiner Begrüßung rief er mir entgegen: „Bergrunter wäre es leichter.“

Eigentlich ist so kleiner Kommentar ja nichts Dramatisches. Aber heute war es der Impuls, bei dem der Groschen fiel: Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich in den ganzen 20 Jahren keine Situation erinnere, in der eine spazierende Frau, der ich beim Joggen begegnete, irgendeinen Kommentar dazu abgegeben hätte – aber zahllose Männer. Von „hop, Hop, Hop“, über „immer schön sportlich“ bis „eins, zwei, eins, zwei....“.

Bei längerem Nachdenken – es waren keine 20- oder 30jährigen unter den Kommentierern. Aber ab 40 können sie schon gewesen sein. Es sind also durchaus noch diejenigen, denen wir im Berufsleben begegnen.  Und meistens, möglicherweise auch immer, waren sie nicht alleine unterwegs. Das legt nahe, dass sie sich mit dem flotten Spruch auch den Freunden/der Partnerin gegenüber positionieren wollten.

Was mag die Triebfeder sein? Kommen die Herren nicht damit klar, dass eine Frau offensichtlich schneller unterwegs ist als sie selbst und – jedenfalls bei dem Herrn von heute - wahrscheinlich auch fitter? Zu Zeiten der Jäger und Sammler wäre es für einen Mann verständlicherweise etwas unangenehm gewesen, wenn eine Frau das Potential mitgebracht hätte, seinen Job besser zu machen. Aber die Zeiten sind doch schon lange vorbei...

Bleibt die Frage: Wenn manche Männer eine joggende Frau vor den Augen anderer nicht kommentarlos an sich vorbeiziehen lassen können, bezieht sich dieses Problem dann wirklich nur aufs Joggen oder doch auf viele anderen Lebensumstände?

Bisher habe ich immer so getan, als hätte ich nichts gehört und bin weitergelaufen. Doch irgendwie denke ich jetzt: Ich sollte meine Strategie überdenken. In einem meiner  Feedback-Workshops werde ich dazu sicher fündig...

Machen Sie sich ein Bild?

11.02.2016 | Storytelling  

Ich hab’s hier schon mal erwähnt, aber bekanntlich brauchen wir Menschen ja immer 50 Impulse, bis wir ins Handeln kommen: Das visuelle Gedächtnis des Menschen ist wesentlich besser ausgeprägt, als das sprachliche. Wie erinnern zu 80 Prozent visuell. Das Bild muss dazu einen Inhalt haben oder mit einem Inhalt verbunden sein, der uns emotional anspricht.

Und warum ist das wichtig? Zuallererst ist es für Sie selbst wichtig. Wenn Sie etwas erreichen möchten, dann ist ein Garant für Ihren Erfolg das Zukunftsbild, das Sie sich dafür kreieren. Natürlich können Sie dafür malen oder fotografieren, aber Sie müssen es nicht. Es reicht völlig, wenn Sie dieses Bild in Ihrem Geiste erschaffen. Aber es muss wirklich ein Bild sein! Nehmen wir mal an, Sie haben den Vorsatz in 2016 mehr Freizeit zu haben. Mehr Freizeit – das wäre noch kein Bild. Sich ein Bild davon zu machen, würde bedeuten, sich ‚auszumalen’ (ist doch sehr treffend, die deutsche Sprache, oder?), was Sie in der Freizeit tun werden.

Mir persönlich schwebt z.B. vor, regelmäßig Tango zu tanzen. Mein Bild wäre dann also:  Susanne in einem schwarzen, im Oberteil figurbetonten, ab der Taille schwingenden, geschlitzten Kleid, wie sie es genießt, von ihrem Tanzpartner mit leichter Hand zur Musik bewegt zu werden. Ich kann das sehen, fühlen, hören, riechen. Und genau darauf kommt es an: Dass Sie mit allen Sinnen ein Bild nicht nur ‚vor Augen’ haben, sondern in sich tragen. Wenn Sie sich dieses Bild immer wieder bewusst machen, hat es neurologisch betrachtet für Ihren Körper und Geist fast dieselbe Wirkung, als wenn Sie es gerade tun. Das Bild brennt sich also in Ihr Gedächtnis ein. Es entfacht Sehnsucht und Leidenschaft. Und sorgt so für die vielen Impulse, die wir brauchen, um etwas umzusetzen.

Natürlich können Sie ein Bild auch dafür benutzen, andere Menschen zu etwas zu motivieren. Sie nutzen dann eine der wichtigsten Überzeugungstechniken: Storytelling - Sie erzählen von Ihrem Bild. Z.B. könnten Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin mit einem Bild davon, wie viel Spaß es machen wird davon überzeugen, dass er oder sie mit Ihnen Tanzen geht. Oder auch Ihre Mitarbeiter zu einem neuen Projekt oder einer bestimmten Umgangsweise miteinander motivieren. Beruflich ist es z.B. mein Ziel, Führungskräfte dazu zu motivieren, auch die Gefühle in Ihre Kommunikation einfließen zu lassen. Mein Motto lautet: Gefühl gewinnt! Mein Bild dafür: Menschen, die sich mit rein sachlicher Führung begnügen, sind vergleichbar mit einem Vogel, der zwar fliegen könnte, aber sicherheitshalber nur im Gras herumhüpft. Er findet sicher auch mal einen Wurm, aber sein volles Potenzial, Leichtigkeit und Freiheit, die spürt und lebt er so nicht. Lernen Sie fliegen!

In einem Interview mit den VDI nachrichten haben ich noch etwas mehr dazu erzählt.

Einladung zum Widerspruch

04.11.2015 |

Widerspruch ist wahrscheinlich mein zweiter Vorname. Mein Ex-Mann hat sich oft darüber geärgert, dass jeder zweite meiner Sätze mit ‚Ja,aber...’ begonnen hat. Das ist nun gute 15 Jahre her, doch etwas ist geblieben: Meine innere Unabhängigkeit. Leider stelle ich mir damit auch selbst manchmal ein Bein, denn diese innere Unabhängigkeit geht so weit, dass ich nie strategisch überlege, ob meine Meinungsäußerung mir die eventuellen Konsequenzen überhaupt wert ist.

Für diese Haltung darf man keine Angst haben. Zum Beispiel keine Angst arbeitslos zu werden. Mein fatalistischer Spruch darauf lautet immer: Wenn mich als Coach keiner will, gehe ich in meiner Lieblingskneipe unten am See kellnern. Dass eine solche Alternative nicht für jeden attraktiv erscheint, gebe ich gerne zu.

Wie viel Widerspruch leisten Sie sich in der Arbeit?

Befragt zum Diesel-Skandal setzt BMW-Chef Harald Krüger sich von VW ab, indem er den ZEIT-Redakteuren antwortet: „Für mich sind Ehrlichkeit, Offenheit, Transparenz und Vertrauen fundamentale Werte. Widerspruch gehört dazu.“ (siehe) Schon eine Woche vorher hatte die Süddeutsche diagnostiziert: „Für die VW-Affäre ist auch eine Befehlskultur verantwortlich, die lange in deutschen Konzernen herrschte.“ (siehe)

Das glaube ich auch. Und ich vermute, dass eine Unternehmenskultur, in der Widerspruch nicht von jedem gewünscht wird, bis heute in vielen deutschen Unternehmen zu finden ist. Was nützt es da, wenn VW ankündigt, wer zur Aufklärung beitrage, dessen früheres Verhalten werde nicht sanktioniert? Wer in seinem Umfeld weiterarbeiten möchte, den kann diese Ankündigung allein wohl schwerlich zur Aussage bewegen. So viel Offenheit gelingt nur, wenn die Kultur dazu passt.

Dieses Gefühl, dass Offenheit erwünscht ist, dass sie sogar ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg ist, entsteht, wenn Führungskräfte sich als Menschen zeigen, also auch emotional führen. Zum Beispiel indem sie von den Erfahrungen sprechen, die sie geprägt haben, von Erfahrung, die sie von einer ganz bestimmten Herangehensweise an eine Aufgabe überzeugt haben – von guten ebenso wie von schwierigen. Ein solches Storytelling ist elementarer Bestandteil von emotionaler Führung.

Wer sich als Mensch zeigt, lädt auch zum Widerspruch ein, denn diese Haltung impliziert, dass ich Fehler mache, dass ich eine Meinung habe und eigene Prioritäten setze und dass mein Gegenüber nicht zwangsläufig genauso ticken muss, auch wenn ich seine/ihre Chefin bin.

Neurologisch betrachtet entsteht neues Handeln nur dann, wenn Gefühle beteiligt sind. Natürlich ist auch Angst ein Gefühl. War aber schon immer ein schlechter Ratgeber.... Wenn Sie stattdessen mit emotionaler Führung eine Kultur des Vertrauens fördern möchten – ich bin gerne dabei!

Wie entsteht ein Wir?

14.08.2015 | Team-Building  

Wie reden wir miteinander? Was geben wir preis von dem, was uns im Moment des Redens wirklich bewegt? Was verschweigen wir? Was sagen wir so dahin, vielleicht weil wir meinen, schnell reagieren zu müssen, vielleicht um ‚auch’ etwas gesagt zu haben, vielleicht um eine Position zu wahren? Am Wochenende habe ich das Gemeinschaftsprojekt in Schloss Tempelhof besucht. 140 Erwachsene und Kinder, die zusammen leben und arbeiten. Einen Vormittag lang haben wir einen Vorgeschmack auf den Wir-Prozess nach M. Scott Peck bekommen. Im Buch The Different Drum: Community Making and Peace (1988; deutsch: Gemeinschaftsbildung: Der Weg zu authentischer Gemeinschaft, 2007) beschreibt der amerikanische Psychotherapeut vier Entwicklungsphasen, durch die jede Gruppe gehen muss, wenn sie arbeitsfähig werden will: Pseudogemeinschaft, Chaos, Leere und Authentizität.

Konkret hieß das: Ich saß mit 15 Menschen im einem Kreis. Wir hatten zwei Stunden Zeit und kein Thema, dass wir hätten besprechen müssen. Jeder von uns hatte eine Karte gezogen mit einer Empfehlung, wie wir miteinander umgehen sollten. Die Aufgabe war es, den Moment des Aufdeckens der Karte sehr bewusst wahrzunehmen und auch die ersten Assoziationen, die sie in uns auslöst. Die Aufforderungen auf den Karten lauten z.B.

·      „Sprich von Dir und Deiner Erfahrung“,

·      „Sei verantwortlich für den Prozess und für Dein persönliches Gelingen“,

·      „Schließe ein, vermeide jemanden auszuschließen“.

Ich zog: „Äußere Dein Missfallen in der Gruppe, nicht außerhalb“. Die Aufforderung empfand ich als sehr passend. Fast alle anderen Teilnehmer des Kennenlernwochenendes waren hier, weil sie sich vorstellen können, Teil der Gemeinschaft zu werden. Ich selbst habe das nicht vor und empfand mich demensprechend eher als von außen auf die Sache schauend. Das ist eine Position, in der man sich gerne mit öffentlichen Äußerungen zurück hält und stattdessen hinterher seine Urteile abgibt.;-(

Mit diesem Austausch in der Gruppe war ich aber sofort „innen“. Ich wurde zum Teil des Ganzen. Ich nahm die Mitglieder meiner Gruppe neu wahr, als würde ich in Zeitlupe durch ein Mikroskop schauen. Und ich spürte, dass es den anderen mit mir ähnlich ging. Diese Art und Weise im Miteinander bei sich zu bleiben führt zu einer ungewöhnlich hohen Präsenz und dazu, dass der Mensch als Wesen und Persönlichkeit unmittelbarer greifbar wird.

Sofort dachte ich: Wie wäre es, mit diesem Instrument Team-Building zu machen? Wie viel Chaos und Leere wird eine berufliche „Pseudogemeinschaft“ aushalten, um am Ende zu Authentizität zu finden? Welches Unternehmen wagt dieses Risiko? Doch mein erstes Experiment war ja nur zwei Stunden lang....  Demnächst werde ich meinen Selbstversuch auf ein ganzes Wochenende ausdehnen – und davon berichten, zum Beispiel beim nächsten Netzwerk-Abend in meiner Küche.

Was die Strömung erzählt ..

07.07.2015 | Coaching  

Mein persönliches Entwicklungs-Thema ist das Loslassen von Kontrolle. Das beschäftigt mich schon sehr lange. D.h. ich habe es auch nach Jahren noch nicht ‚abschließend’ bearbeitet. Wer weiß... vielleicht ist es mein Lebensthema. Wie dieses Thema neue Dimensionen annimmt, das merke ich, wenn ich beim Joggen auf einer Brücke über dem Bach halt mache, der vom Starnberger See durch das Gelände von Schloss Weidenkam fließt, in dem ich wohne.

Ich mache dann eine kleine Übung, die ich über einem Bach stehend irgendwo in den Alpen, die ich vor vier Jahren auf dem E5 überquert habe, entwickelt habe. Ich schließe die Augen und nehme wahr, wie das Wasser unter mir durchfließt. Erst stehe ich dabei flussaufwärts, was mir das Gefühl gibt, alles, was auf mich zuströmt in mich aufzunehmen. Dann ‚blicke’ ich flussabwärts und lasse alles wieder los. Es stellt sich das gute, befreiende Gefühl ein, dass ich nichts festhalten muss, dass der Strom niemals versiegen wird. 

Zu Hause hat sich die Übung, die ich jeden zweiten Tag beim Joggen mache, dann wie von selbst weiterentwickelt. Anfangs war meine Selbstwahrnehmung, dass ich zuerst erleben muss, welche Fülle auf mich zuströmt, um im zweiten Schritt alles loslassen zu können. Doch im Laufe der Zeit merkte ich, dass das auch zu viel sein kann und ich mich erstmal entleeren muss, um wieder etwas aufnehmen zu können. Die dritte Stufe war dann, dass ich mich nur noch flussabwärts ausrichtete, denn ich genoss es, Teil der Strömung zu sein und gar nicht mehr genau unterschieden zu können, wo die Grenzen zwischen aufnehmen und loslassen in mir ist.

Und gestern poppte die vierte Stufe der Übung in mir auf: Ich stand wieder flussabwärts ausgerichtet auf dem Brücke über dem Bach und nahm wahr, wie anstrengend es doch ist, hier ‚in’ diesem Fluss die Stellung zu halten. Es tauchte die Vorstellung in mir auf, wie viel angenehmer es doch sein könnte, einfach mit der Strömung zu gehen. Sich drauf legen und tragen lassen... Was wird dann aus dem anfangs großen Gegensatz zwischen Aufnehmen und loslassen? Er hat sich aufgelöst...

Du musst Dich nicht anstrengen

06.06.2015 | Feedback  

Feedback ist das machtvollste und zugleich am meisten unterschätze Veränderungs-Instrument überhaupt. Eigentlich wissen wir das ja alle…. Als Ausbildungs-Trainerin der Buhr & Team Akademie durfte ich erleben, welche Qualität Feedback haben muss, damit es in der Tiefe wirkt. Und weil solche Erlebnisse – wenn man sie erzählt, auch beim anderen - Erkenntnisse festigen und Verhalten bestärken, möchte ich hier davon berichten.

Ich lernte die Teilnehmer erst im dritten Modul der Ausbildung kennen und hatte gleich die Aufgabe zu einer Übungs-Sequenz, in der die Teilnehmer als Trainer eine Einheit vorführen mussten, Feedback zu geben. Das ist eine heikle Situation, wenn ich die Teilnehmer ja noch gar nicht gut einschätzen konnte. Ich fragte mich: Wie weit darf ich gehen? Besonders heikel sind die sehr persönlichen Bereiche des Auftretens. In dem Fall einer Teilnehmerin lag mir ein Feedback zu Ihrer Stimme auf der Zunge, doch ich wollte sie in keinem Fall verletzten. Gleichzeitig bin ich aber der Meinung, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Erfolgs eines Trainer davon abhängt, mit seiner Stimme Sympathien auszulösen.

Kurz und gut: Ich sagte der Teilnehmerin, dass ich ihre Stimme teilweise als etwas grell erlebt habe, und dass ich das sehr schade finde. Ich hätte nämlich den Eindruck, dass Sie sehr viel wisse über ihr Thema und auch didaktisch auf dem richtigen Dampfer sei. Ein Grund für die hohe Stimme könne z.B. sein, dass sie dennoch subjektiv das Gefühl habe, sich sehr anstrengen zu müssen, um gut zu sein. Ob das sein könnte? Sie bejahte das sofort. Dann macht ich ihr folgenden Vorschlag: Eine Hilfe könnte es sein, dass sie sich selbst vor Beginn einer Einheit immer zuflüstere: Ich muss mich nicht anstrengen. Ich bin gut.

Dieses Feedback hat die Teilnehmerin so berührt, dass sie es in ihrer Prüfungs-Sequenz einer Trainings-Einheit zum Thema Feedback geben als Geschichte erzählte. Mir wurde erst durch ihre Erzählung deutlich, was das Besondere an meinem Feedback gewesen ist: Meine Rückmeldung hat sie emotional berührt. Die Protagonistin hat sich in einem Bereich ihrer Persönlichkeit wahrgenommen gefühlt, der von nur wenigen Menschen, vielleicht noch nicht mal von ihr selbst, gesehen wurde: Ihr Gefühl, sich anstrengen zu müssen, um gut zu sein. Allein mit dem Vorschlag, die Stimme doch etwas zu dämpfen, hätte ich diesen Effekt, die emotionale Berührung, niemals erreichen können.

Dazu passt eine Erkenntnis aus den Neurowissenschaften: Nur Impulse, die unsere Emotionen erreichen, können auch neue Handlungen auslösen, denn Handlungen brauchen immer einen Anstoß aus unserem emotionalen Erfahrungsgedächtnis.

Kannst Du Dich erinnern....?

23.05.2015 | Storytelling  

Mein allererster Vortrag über meine (damals) neue Tätigkeit als Coach und Trainer trug den Titel 'Seien Sie einzigartig'. Ich habe schon bei diesem ersten Vortrag mit Fotos aus dem Wald, in dem ich lebe, gearbeitet. Um den Unterschied aufzuzeigen zwischen einem Menschen, der sich als Persönlichkeit auch in seinem beruflichen Umfeld zeigt und jemandem, der nur ein Produkt, eine Technik oder Dienstleistung anbietet, hatte ich zwei Fotos ausgesucht: Ein Stapel geschnittener Holzbretter für letzteren und einen prachtvollen Baum, der auf einem Wiesen-Hügel trohnt und in seiner ganzen stattlichen Größe zu bestaunen ist für denjenigen, der sich als Mensch zu erkennen gibt.

Jetzt, viereinhalb Jahre später, habe ich dann in demselben Netzwerk, Go Business im Oberland, wieder einen Vortrag gehalten. Ich startete, indem ich mich an mein ‚erstes Mal’ erinnerte und zeigte wieder diese beiden Fotos. Vom Publikum wollte ich wissen, ob jemand auch vor vier Jahren schon dabei gewesen ist und sich an die Bedeutung der beiden Bilder erinnern kann.

Kaum zu  glauben: Es meldete sich ein Mann, der damals dabei gewesen ist und der meine Botschaft nicht vergessen hatte. Nach 4 Jahren, also rund 1500 Tagen! Sie lautete damals wie heute: Sei einzigartig! Ich meine damit: Zeige Dich, wie Du bist. Mit Ecken und Kanten, statt perfekt. Persönlich, statt angepasst.

Und das Geheimnis des Erinnerns? Es liegt im Bild. Das visuelle Gedächtnis des Menschen ist wesentlich besser ausgeprägt, als das sprachliche. Wie erinnern zu 80 Prozent visuell. Das Bild muss dazu einen Inhalt haben oder mit einem Inhalt verbunden sein, der uns emotional anspricht. Das können Sie natürlich auch ohne das Zeigen von Bildern in jeder ganz normalen Kommunikation erreichen. Einfach, indem Sie Geschichten erzählen. So, wie diese hier. Geschichten über Ihre Erfahrungen. Erfahrungen, die sie in Ihrer Haltung bestärkt haben. Positive ebenso, wie negative.